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Die Klais-Orgel in der Abteikirche Münsterschwarzach

Die früheste Nachricht über eine Orgel in Münsterschwarzach stammt aus dem Jahre 1546. Sie berichtet von den schweren Schäden, welche die Orgel der mittelalterlichen Klosterkirche, der sogenannten Egberts-Basilika, in den Wirren des schmalkaldischen Krieges erlitt.

1581 wurde Matthias Eckstein (Heidingsfeld) mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt. Diese, zunächst wohl als „Schwalbennest“ gebaut, wurde 1620 auf die neue Westempore transferiert und von Martin Schomat (Kitzingen) gründlich renoviert.

1685 wurde sie durch ein neues Werk von Matthias Tretzscher (Kulmbach) ersetzt, der zugleich auch ein „kleinereß newes orgelwerckh“ als Chororgel aufstellte.

Für Balthasar Neumanns 1743 geweihte Basilika schuf schließlich der Würzburger Hoforgelmacher Johann Philipp Seuffert eine Chororgel. Das einmanualige Werk (mit 11 Manual- und wahrscheinlich 3 Pedalregistern) fand in einer der südlichen Choremporen Aufstellung. Zum Bau einer Hauptorgel, die in Größe und Bedeutung Neumanns Meisterwerk barocker Architektur entsprochen hätte, scheint es nicht gekommen zu sein.

Als in den Jahren 1935 bis 1938 Albert Boßlets weiträumiges Münster als Gotteshaus der neuerstandenen Abtei Münsterschwarzach emporwuchs, wurde die 1882 gegründete Bonner Orgelfirma Johannes Klais mit dem Bau der neuen Münsterorgel betraut.

Fast gleichzeitig mit der 1945 zerstörten dreiteiligen Klais-Orgel des Würzburger Doms (Opus 872) entstand 1937 Hans Klais’ Opus 873 für den monumentalen Kirchenbau der fränkischen Benediktiner.





Die Orgel ist zu beiden Seiten des Chorraums der Mönche in jeweils drei Nischen untergebracht. Der Aufstellung nach ist das Instrument also eine „Chororgel“; seine erste Aufgabe ist ja auch die begleitende und rahmende Musik zum liturgischen Gesang der Mönche bei der täglichen Feier des Opus Dei. Dieser Aufgabe entspricht der Platz des Spieltischs direkt vor der rechten Hälfte des Chorgestühls, wo der Organist sowohl mit der singenden Mönchsgemeinde wie mit dem Geschehen im Altarraum in Fühlung bleiben kann.

Größe und Anlage der Orgel lassen aber sofort erkennen, dass das Instrument zugleich auch die Funktion der raumfüllenden „Hauptorgel“ hat, auf der – dank der ausgereiften Gesamtdisposition und der einfühlsamen Intonation der einzelnen Register – die Orgelkompositionen aller Stilepochen angemessen und gültig darstellbar sind.

Das gesamte Orgelwerk umfasst 60 Register mit insgesamt 4338 Pfeifen, von denen lediglich 246 (alle klingend) in den beiden Prospekten rechts und links sichtbar sind. Die größte Pfeife (Ton C von Prinzipalbaß 16’ und Prinzipal 16’) misst 5,60 m bei einem Durchmesser von 27 cm, die kleinste (Ton g³ von Sifflöte 1’) ist – vom Labium gemessen – nur 4 mm lang bei einem Durchmesser von 2,5 mm.





Die Orgel gliedert sich in fünf Werke von jeweils eigenständiger Charakteristik: Die vier Manualwerke sind in den beiden vordersten Rundbogennischen untergebracht, das Pedalwerk in den vier übrigen, weniger tiefen Nischen.

Das Hauptwerk (I. Manual) steht, mit Oktave 8’ im Prospekt, im oberen Teil des linken vorderen Rundbogens; ihm gegenüber steht auf der rechten Chorseite das Oberwerk (II. Manual), mit Prinzipal 8’ im Prospekt. Unter dem Oberwerk ist das Schwellwerk oder Récit (III. Manual) gelagert, unter dem Hauptwerk das ebenfalls schwellbare Brustwerk (IV. Manual).

Beide stehen in Gehäusen, deren Vorderseiten mit Jalousien versehen sind, die vom Spieltisch aus elektropneumatisch geöffnet oder geschlossen werden können, um eine stufenlose Zu- oder Abnahme der Klangintensität zu bewirken.

Dem Brustwerk sind die großen Zungenbecher (C-c) von Bombarde 16’ des Hauptwerks vorgelagert, dem Schwellwerk jene von Posaune 16’ (C-c) bzw. Basstrompete 8’ (C-c) aus dem Pedal. Im übrigen sind die Pfeifen des Pedalwerks auf die mittleren und hinteren Nischen rechts und links verteilt. Die großen Pfeifen von Prinzipalbaß 16’ bzw. Oktavbaß 8’ (C-f) sowie Prinzipal 16’ aus dem Hauptwerk (C-f²) befinden sich in Terzenstellung im Prospekt.

Die Register mit geringerer Pfeifenhöhe stehen hinter den beiden Prospekttürmen der Mittelnischen bzw. im Pfeifenwerk des Hauptwerks.





Der Spieltisch enthält alle für eine Orgel dieser Größe notwendigen Einrichtungen und vielfältige Spielhilfen, darunter drei freie Kombinationen. Im Zuge einer Generalreinigung und Überholung der Orgel anlässlich der Renovierung des Münsters im Jahr 1987 konnte die ursprüngliche Ausstattung um eine elektronische Setzeranlage mit 96 Kombinationen erweitert werden.

Der geringe Raumbedarf der Mikroprozessorentechnik erlaubte es, das Setzertableau so unauffällig einzubauen, dass das „historische“ Bild des Spieltischs unverändert und unbeeinträchtigt blieb.

Die Verbindung vom Spieltisch zu den Pfeifen der Orgel bzw. zu den die Pfeifen tragenden Kegelladen erfolgt, wie bei den gegebenen Entfernungen nicht anders zu erwarten, auf elektrischem Wege.

Die Windversorgung der Orgel geschieht durch zwei große Ventilatoren mit je 1400 UpM, die zusammen mit den beiden großen
Haupt-Magazinbälgen und den sechs Regulierbälgen für den unterschiedlichen Winddruck der einzelnen Werke hinter der rechten und linken Chorwand in eigenen Kammern untergebracht sind.





Wie das Münster selbst erstand auch seine Orgel in schwerer Zeit. Auftraggeber und Erbauer waren sich der drohenden Kriegsgefahr bewusst und mussten bereits die restriktiven Bestimmungen der staatlichen „Überwachungsstelle für unedle Metalle“ hinnehmen:

Angesichts der nur noch in äußerster Einschränkung möglichen Verwendung von Zinn musste beim Pfeifenmaterial auf Zink, auf eine Zinn-Blei-Legierung mit dem Notnamen „Orgelmetall“ oder auf „Cupal“ (Aluminium mit einseitiger dünner Kupferauflage) ausgewichen werden.

Der Standplatz der Orgel in der ohnehin dunkleren, fensterlosen Zone des Chorraums lässt die mattere Oberfläche der Prospektpfeifen jedoch kaum als optische Beeinträchtigung empfinden.

Glückliche Umstände haben verhindert, dass das kostbare Instrument während der Kriegszeit und in den Jahren der Aufhebung der Abtei durch die staatlichen Machthaber (1941-45) Schaden genommen hat.

Dem Weitblick der planenden Mönche, der meisterlichen Kunst der Erbauer und nicht zuletzt der Sorgfalt in der beständigen Wartung und Pflege ist es zu verdanken, dass die große Klais-Orgel von Münsterschwarzach fünfzig Jahre nach ihrem Entstehen
in ungeminderter musikalischer und technischer Qualität ihren Dienst tut – ad majorem Dei gloriam!

Clemens Hamberger, Rhabanus Erbacher


:: Orgelmusik an der Münsterschwarzacher Klais-Orgel Opus 873



Disposition der Klais-Orgel Opus 873

I. Manual: Hauptwerk C-g³
Winddruck: 110 mm/WS

15 Prinzipal, 16’
16 Oktave, 8’
17 Rohrflöte, 8’
18 Gemshorn, 8’
19 Rohrquinte, 5 1/3’
20 Superoktave, 4’
21 Koppelflöte, 4'
22 Prinzipalquinte, 2 2/3'
23 Flachflöte, 2’
24 Rauschpfeife 4f, 2'
25 Mixtur 6f, 1 1/3’
26 Bombarde, 16’
27 Trompete, 8’


II. Manual: Oberwerk
Winddruck: 90 mm/WS

39 Prinzipal, 8’
40 Spitzflöte, 8’
41 Singend Gedackt, 8’
42 Violflöte, 8’
43 Oktave, 4’
44 Zartflöte, 4’
45 Gemsquinte, 2 2/3’
46 Schwegel, 2’
47 Sifflöte, 1’
48 Mixtur 4-6f, 1 1/3’
49 Scharff 3-4f, 2/3’
50 Kopftrompete, 8’
51 Trichterregal, 4’


III. Manual: Schwellwerk/Récit
Winddruck: 100 mm/WS

52 Quintadena, 16’
53 Geigenprinzipal, 8’
54 Bordunalflöte, 8’
55 Oktave, 4’
56 Querflöte, 4’
57 Waldflöte, 2’
58 Progressio 3-5f, 2 2/3’
59 Dulcian, 16’
60 Trompette harm., 8’
Tremulant


IV. Manual: Brustwerk (schwellbar)
Winddruck: 95 mm/WS

28 Holzflöte, 8’
29 Salizional, 8’
30 Vox coelestis, 8’
31 Prinzipal, 4’
32 Blockflöte, 4’
33 Oktave, 2’
34 Nasard, 1 1/3’
35 Sesquialter 2fach,
36 Cymbel 4f, 1’
37 Krummhorn, 8'
38 Schalmey, 4’
Tremulant


Pedal C-f1
Winddruck: 100 mm/WS

1 Untersatz, 32’
2 Prinzipalbaß, 16’
3 Subbaß, 16’
4 Zartbaß (Tr. aus 52), 16’
5 Oktavbaß, 8’
6 Gedacktbaß, 8’
7 Choralbaß, 4’
8 Baßflöte, 4’
9 Nachthorn, 2’
10 Hintersatz 5f, 2 2/3’
11 Posaune, 16’
12 Dulcian (Tr. aus 59), 16’
13 Baßtrompete, 8’
14 Clarine, 4’


Koppeln

61 I-Pedal
62 II-Pedal
63 III-Pedal
64 IV-Pedal
65 II-I
66 III-I
67 III-I super (durchgebaut)
68 IV-I
69 IV-I sub
70 III-II
71 III-II super (durchgebaut)
72 IV-II
73 IV-II sub
74 IV-III


Spielhilfen

# Drei Freie Kombinationen, die dritte geteilt schaltbar für Manuale und Pedal
# Handregister zu allen Kombinationen zuschaltbar
# Zwei frei einstellbare Pedalkombinationen
# Automatische Pedalumschaltung
# Drei feste Kombinationen (Mezzoforte, Forte, Tutti)
# 96-facher elektronischer Setzer mit Schrittschaltwerk (Sequenzschaltung) und Digitalanzeige, Remocard
# General- und Einzelabsteller für Zungen
# General- und Einzelabsteller für Manual 16’ und Pedal 32’
# Schwelltritte für Manual III und Manual IV
# Crescendowalze mit Anzeiger (Uhr)
# Elektronisch frei einstellbares 30-stufiges Walzencrescendo mit Digitalanzeige
# Mittels Pistons schaltbar: Zungen ab, alle Normalkoppeln, Walze an, Schrittschaltung für die Setzerkombinationen, Handregister, Freie Kombinationen 1-3, geteilte Freie Kombination 3, Tutti.

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